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Pädagogik im Sinne von Rudolf Steiner, dem
Begründer der ersten Waldorfschule, bedeutet unterstützendes
und pflegendes Begleiten. Pflege braucht die eigene innere Haltung
den uns anvertrauten jungen Menschen gegenüber. Steiner hat
hierzu einen zentralen Gedanken formuliert: Jedes Kind bringt seinen
eigenen „Kulturimpuls“ mit auf die Welt. Dieser Impuls
liegt in jedem Menschen wie ein geschützter Kern verborgen, wie
ein Geheimnis, das es zu entdecken gilt. Unsere Aufgabe als
Pädagoginnen und Pädagogen sehen wir vor allem darin, die
Kinder und Jugendlichen auf ihrem Weg mit wachem Interesse und
liebevoller Wertschätzung so zu begleiten, dass sie sich ihrem
„Kulturimpuls“, ihrer eigenen Lebensidee, annähern können.
Hier schließt sich eine weitere Erkenntnis aus
unserer Arbeit mit den Kindern an: Menschliche Entwicklung verläuft
nach individuellen Gesetzmäßigkeiten. Jeder Lernprozess
braucht seine Zeit. Und unser Vertrauen. Deshalb findet der so
genannte Hauptunterricht in der Parzival-Schule, genau wie an anderen
Waldorfschulen, epochenweise statt: Ein Fach wird eine Zeit lang
intensiv behandelt, um anschließend eine Weile zu ruhen. Nach
diesen Pausen sind häufig erstaunliche Reifungsprozesse zu
beobachten.
Schöpferische Kräfte
Ein weiteres zentrales Anliegen der anthroposophischen Heilpädagogik ist die Förderung
der handwerklich-künstlerischen Tätigkeiten. So spielen im Hauptunterricht der Unterstufe
das Formenzeichnen und Wasserfarbenmalen eine wichtige Rolle. Immer wieder neu befassen
sich die Schüler mit Filzen und Holzarbeiten, mit Stricken und Nähen, während das Feuer in
der Schmiede eher für die Oberstufenklassen geschürt wird. Große Bedeutung haben auch der
Eurythmie-Unterricht und das klassenübergreifende Singen im Chor. Unsere Erfahrung ist: Das gemeinsame handwerklich-künstlerische Tun fordert die Kräfte und Fähigkeiten der Schüler heraus. Es weckt ihre Lebensfreude, es lockt eigene schöpferische Kräfte hervor und fördert ihre Entwicklung.
Lebensnahe Themen
Den Auswahlkriterien für die Unterrichtsinhalte
liegt immer das Studium der seelisch-geistigen Entwicklungsstufen der
Kinder und Jugendlichen zugrunde. So hat etwa das Märchenerzählen
im ersten Schuljahr eine besondere Bedeutung, da Märchen Kindern
dieser Altersstufe hilfreiche innere Orientierungsmöglichkeiten
bieten können. Dagegen stellt die Beschäftigung mit der
französischen Revolution im 10. Schuljahr ein ganz anderes
Angebot dar, nämlich die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit
den Themen „Macht“ und „Freiheit“,
„Gleichheit“ und „Brüderlichkeit“,
sozialen Fragen also, die sie auch in ihrem eigenen Leben berühren.
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